Gottes gedeckter Tisch

Ich bin ein visueller Mensch. Schon in der Schule wusste ich bei
Klassenarbeiten oft, wo in meinem Heft die Antwort stand, also oben links
oder unten rechts. So hat Gott mich geschaffen und so redet er auch sehr oft
zu mir  in Bildern.
Auch zu David hat er offensichtlich so geredet. In Psalm 23 malt uns David
zwei Bilder vor Augen. Gott als der gute Hirte und Gott als der Gastgeber,
der ihn bedient.

Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde.
Du salbst mein Haupt mit Öl und schenkst mir voll ein. (Psalm 23,5)

So hat David Gott erlebt, als einen Gastgeber, der ihm den Tisch deckt. Und
von Feinden konnte David im wahrsten Sinne des Wortes ein Lied singen. Er
war auf der Flucht. Saul jagte ihn mit seinem Heer durch das ganze Land, um
ihn zu töten. Und wer auf der Flucht ist, der hat meist keine Zeit. Ein
Flüchtiger ist getrieben und gehetzt, ständig auf der Hut macht er selten
Rast. Nahrung wird im Stehen und im Gehen zu sich genommen, an Ausruhen ist
nur selten zu denken. Und mitten in dieser Fluchtsituation deckt Gott dem
David einen Tisch und bittet ihn Platz zu nehmen und satt zu werden. Mitten
in dieser Situation, mit seinen Feinden im Blick, will Gott ihn versorgen
mit dem, was er braucht.

Unsere Feinde heute haben ganz unterschiedliche Gesichter. Unsere eigenen
Gedanken oder Gefühle können uns zum Feind werden. Unsere Lebens- und
Arbeitssituation oder auch Menschen, die uns ausgrenzen, verletzten und
mobben. Doch genau in deine persönliche Situation hinein – vielleicht bist
du ja auch auf der Flucht – lädt Gott dich ein an seinen gedeckten Tisch.
Mitten in deiner Situation will er dich versorgen mit dem, was du brauchst.
Doch ich bin mir sicher, dass der Tisch, den Gott uns decken will, kein
Fastfood-Tisch ist und dass auf dem Tisch kein Fingerfood zum schnellen
Mitnehmen bereit steht. Gott lädt dich und mich ein uns zu setzen und satt
zu werden. Nehmen wir uns die Zeit dazu? Man könnte jetzt auch sagen: Was
für ein schönes Bild! Gott deckt mir den Tisch. Diesen Gedanken nehme ich
mit in meinen Tag. Aber von einem guten Gedanken wird man nicht satt. Satt
werde ich, wenn ich mich hinsetze und von dem lebe, was Gott mir für diesen
Tag und für meine Situation schenken möchte.

Satt wird nur, wer auch wirklich isst. Und essen werde ich nur, wenn ich
Hunger spüre. Doch so oft merke ich meinen wirklichen Hunger gar nicht. Ich
bin getrieben von meiner Situation, kremple die Ärmel hoch, um mein Leben in
Angriff zu nehmen. Daran ist nichts Falsches. Doch bei einem gehetzten auf
der Flucht Sein vergesse ich vielleicht meinen eigenen Hunger. Wenn Gott dir
heute als Diener und Gastgeber gegenüber stehen würde und dich fragt: Was
willst du, dass ich dir tun soll? – was würdest du ihm antworten? Kennst du
deinen Hunger?
Gott hat dir den Tisch gedeckt, damit dein Hunger gestillt wird. Ich stelle
mir diesen Tisch manchmal bildhaft vor und bitte Gott, dass er mir vor
meinen geistigen Augen zeigt, was er für mich bereit hat. Einmal überraschte
er mich mit einer Krone, ein anderes Mal mit einem sehr bequemen Stuhl vor
dem Tisch, der mich zum Verweilen und zum Sattwerden einlädt. Und ich merke:
Das, was Gott für mich bereit hält, das macht mich satt, das macht meine
Seele satt. In diesem Sinne guten Hunger.

Katja Stöhr, Ankermitarbeiterin (in Anker-Impuls 23-2013 zu bestellen über info@ankernetz.de)

EmailPrintShare
Dieser Beitrag wurde unter Bibel-Impuls abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>